Wie gefährlich ist Epilepsie?

Obwohl ein epileptischer Anfall bedrohlich aussehen kann, ist Epilepsie nur selten akut gefährlich. Epilepsie lässt sich immer besser behandeln. Die meisten Menschen können mit Medikamenten oder nach einer Operation wieder ein normales Leben führen. Für den Großteil der Patienten ist es daher auch nicht erforderlich, einschränkende Lebensregeln einzuhalten.

 

Für Menschen mit Epilepsie ist es jedoch wichtig, gut einzuschätzen, wie gefährlich die epileptischen Anfälle sind. Zum Beispiel, indem ein entsprechendes Gleichgewicht zwischen den (alltäglichen) Aktivitäten findet, die man unternehmen kann oder aber lieber unterlassen sollte. Aufgrund der unterschiedlichen Erscheinungsformen epileptischer Anfälle ist das für jeden Einzelnen anders. Folgende Fragen können helfen einzuschätzen, ob eine Aktivität riskant ist:

 

  • ​Wie sieht ein Anfall aus?

  • Spürt man einen bevorstehenden Anfall? Wann treten die Anfälle auf? Ist diesbezüglich ein Muster zu erkennen?

  • Gibt es Auslöser für diese Anfälle? (z. B. Spannungen, Stress, Alkoholkonsum)

  • Kommt jemand selbstständig aus dem Anfall?

  • Sind Menschen in der unmittelbaren Umgebung, die helfen können, wenn jemand einen Anfall hat?

 

Hier finden Sie weitere Tipps und Empfehlungen, die Ihnen bei der Risikoeinschätzung einer Aktivität helfen können.

Epilepsiechirurgie

Wenn man nicht gut auf Medikamente anspricht, besteht in bestimmten Fällen die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffs. Eine Operation bietet bei bestimmten Formen der Epilepsie relativ hohe Erfolgschancen und kann dafür sorgen, dass man keine epileptischen Anfälle mehr erleidet. Bei der Operation schalten die Ärzte die Stelle im Gehirn aus, an welcher der Anfall entsteht.

Aber wann kommt eine Operation in Frage?

Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn der Betroffene nicht gut auf die Medikation anspricht und weiterhin regelmäßig Anfälle erleidet, die das Leben stark beeinflussen. Auch das durch die Anfälle entstehende Unfallrisiko wird mitberücksichtigt. Außerdem ist eine Operation nur bei einer fokalen Form der Epilepsie möglich. Und schließlich berücksichtigen Ärzte die Risiken der Operation. Manchmal kann eine Operation irreparable Gehirnschäden verursachen. Dabei kann es sich z. B. um Lähmungen, Sprachverlust oder Gedächtnisverlust handeln. Eine Operation ist in nahezu jedem Alter möglich. Der Ansatz kann variieren.

Nervus-Vagus-Stimulation (NVS)

Für bestimmte Epilepsiepatienten bietet eine ergänzende Behandlung, wie z. B. die Nervus-Vagus-Stimulation eine Lösung. Die Behandlung ist ergänzend, da die Patienten trotz der NVS fast immer weiterhin Medikamente einnehmen.

 

Während der für die Nervus-Vagus-Stimulation erforderlichen Operation, ist der Patient unter Vollnarkose. Die Operation dauert ca. eine bis anderthalb Stunden. Die Ärzte pflanzen während der Operation einen Stimulator unter der Haut ein, etwas unter dem Schlüsselbein. Dieser Stimulator ist über eine Elektrode mit einem Gehirnnerv im Hals verbunden, dem Vagusnerv. Das Gerät ist mit einem Herzschrittmacher zu vergleichen, es erzeugt regelmäßig kleine Stromstöße am Vagusnerv. Die Ärzte versuchen so den Nerv zu reizen und dadurch Signale an das Gehirn weiterleiten zu lassen. Diese Signale unterdrücken die epileptischen Anfälle im Gehirn. Dadurch hilft diese Stimulation, die Häufigkeit der Anfälle zu verringern und/oder diese weniger heftig verlaufen zu lassen. Man kann sich für diese Behandlung entscheiden, wenn man:

 

  • trotz der Medikation weiterhin Anfälle hat

  • nicht für Epilepsiechirurgie in Frage kommt

  • trotz der Epilepsiechirurgie weiterhin Anfälle hat.

 

Der Stimulator wird patientenspezifisch eingestellt. Der Neurologe bestimmt die Frequenz der Stromstöße. Diese sind, je nach Person, unterschiedlich und vom Ergebnis abhängig. Die Einstellung des Stimulators wird regelmäßig überprüft. Es dauert meistens einige Monate, bis die optimale Einstellung erreicht wird. Manche Patienten können sich auch mithilfe eines losen Magneten einen Reizimpuls geben, wenn sie einen bevorstehenden Anfall spüren.

Wann ist Epilepsie gefährlich?

Dennoch gibt es bestimmte Situationen, in denen Epilepsie gefährlich sein kann. Es besteht die Möglichkeit, dass ein Epilepsiepatient während eines Anfalls in eine riskante und gefährliche Situation gerät. Zum Beispiel, wenn jemand während eines Anfalls fällt, keine Schmerzreize verspürt oder sich verletzt, bzw. wehtut. Auch ein „Status epilepticus“ kann lebensbedrohliche Situationen verursachen. Normalerweise hören epileptische Anfälle von selbst auf. Wenn ein Anfall länger als 5 Minuten dauert, spricht man von einem „Status epilepticus“. Um diesen Anfall zu beenden, ist häufig ärztliches Eingreifen erforderlich. In bestimmten Fällen ist Epilepsie tödlich. Ein Epileptiker stirbt dann nach einem epileptischen Anfall, ohne dass die Ursache sofort deutlich ist. Das nennt man SUDEP (Sudden unexpected Death in Epilepsy) oder Epilepsietod.

SUDEP

Im Falle von SUDEP (Sudden unexpected Death in Epilepsy) stirbt jemand mit Epilepsie plötzlich, ohne dass eine Todesursache festgestellt werden kann. Dem Epilepsiefonds zufolge geschieht das in mehr als der Hälfte der Fälle im Schlaf. Es wurden bereits viele Nachweise erbracht, dass SUDEP die Folge eines epileptischen Anfalls ist. Die jährliche Anzahl der SUDEP-Fälle in Deutschland werden etwa 700 SUDEP-Fälle pro Jahr erwartet. Es ist jedoch bekannt, dass häufig ein Herz- oder Atemstillstand zugrunde liegt.

 

SUDEP kann alle Menschen mit Epilepsie treffen, es bestehen jedoch bestimmte Risikogruppen. Vor allem Menschen mit schlecht behandelbarer Epilepsie, tonisch-klonischen Anfällen, geistiger Behinderung und mit sehr häufigen Anfällen haben ein höheres SUDEP-Risiko. Auch für Menschen, die nächtliche Anfälle erleiden, ist das Risiko, an SUDEP zu sterben, höher. Eine gute nächtliche Pflege hilft schweren Komplikation wie z. B. SUDEP vorzubeugen.

 

Solange nicht eindeutig feststeht, wie SUDEP entsteht und was genau passiert, lässt es sich schwer verhindern. Wie gefährlich Epilepsie ist, hängt von diversen Faktoren ab. Tatsache ist: je weniger Anfälle, umso weniger Risiken. Die Empfehlung lautet, alles zu unternehmen, um Anfälle vorzubeugen oder diese einzuschränken. Zum Beispiel durch sorgfältige Einnahme der Medikamente, regelmäßige Kontrollen beim behandelnden Arzt und Vermeiden der Situationen, die Anfälle auslösen. Auch ist es von wesentlicher Bedeutung, dass Anfälle rechtzeitig erkannt werden. SUDEP tritt nachweislich weniger häufig auf, wenn während eines Anfalls oder unmittelbar danach jemand anwesend ist, um Hilfe zu leisten. Ein Anfallserkennungssystem wie NightWatch kann dafür sorgen, dass jemand gewarnt wird, wenn während des Schlafs ein gefährlicher Anfall auftritt.